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Bernhard Faust
Bezirksvorsteher

 

Personalien

  • Geboren: 08.09.1905 in Kassel
  • Gestorben: unbekannt

Ordinationen (Auszug)

  • 26.10.1952 Bezirksevangelist
  • 31.10.1954 Bezirksältester

Amtsbeendigung

  • 29.12.1974 Ruhesetzung durch Bezirksapostel Rockenfelder

Arbeitsbereiche

  • 26.10.1952 - 29.12.1974 Bezirk Marburg (ab 31.10.1954 Bezirksältester)
  • 13.11.1966 - 21.01.1973  Bezirk Siegen

Aus seinem Leben

Bezirksältester Faust wurde am 8. September 1905 in Kassel geboren. Von Geschwistern, die als Kunden des öfteren
in das Geschäft der Familie Faust kamen, war er zu den Gottesdiensten eingeladen worden. Diese Geschwister hatten ihn dann den Amtsträgern vorgestellt, die sich fortlaufend um ihn bemühten. Am 3. September 1933 wurde er dann durch den
Stammapostel Bischoff versiegelt.
Immer wieder hat er in den Gottesdiensten von der Vorbereitung zu der Heiligen Ver­siegelung erzählt, bei der er von dem damaligen Hirten Kröner gefragt worden war, ob er denn auch gewillt sei, sein Leben für seinen Glauben zu lassen. Wie hochwichtig ihm der Tag seiner Wiedergeburt gewesen ist, lässt sich schon aus der Tatsache erkennen, dass er zu diesem Gottesdienst im Smoking erschien. Am 8.11.1936 empfing er das Diakonenamt und am 12.11.1939 das Priesteramt.

Der Lebensweg dieses treuen Gottesknechtes war von großen Bitterkeiten und Leiden getrübt. Bei der Geburt des ersten Kindes ging seine erste Ehegattin heim. Es ist nur zu erahnen, was sein Herz bewegte, als man auf den Wunsch seiner
Frau an ihrem Sterbebett das Lied: "Mein Vater, wie du willst..., miteinander sang.
Im 2º Weltkrieg hatte er grausamste Kriegserlebnisse und eine langjährige bis an den Rand der Ertragbarkeit gehende Gefangenschaft zu durchstehen. Als er im August 1946 aus der Gefangenschaft nach Kassel zurückkehrte, war er schwer von den Spuren dieser Zeit gekennzeichnet. Von dieser Leidensschule war sein Wesen geprägt. Dennoch stellte er sich sogleich wieder in den Dienst des Herrn und half, die durch die Kriegswirren in Kassel schwer getroffenen Gotteskinder zu sammeln
und zu pflegen.
Den Gemeinden Elgershausen, Wickenrode und Hessisch Lichtenau diente er als Vorsteher. Am 10. 8. 1952 empfing er das Gemeindeevangelistenamt. Im Glaubensgehorsam folgte er dem Ruf des Bezirksapostels, verließ im Herbst 1952 seine Heimatstadt Kassel, der er in vielen Dingen sehr verbunden war - später gab er sogar seinen Beruf als Reisebackmeister auf - und verzog nach Treysa, um seinem Auftrag als Bezirksvorsteher gerecht zu werden.

Nachdem der Bezirksälteste einige Jahre auch die Gemeinde in Treysa als Vor­steher betreut hatte, verlegte er im Herbst des Jahres 1956 seinen Wohnsitz in die Lessingstraße nach Marburg. Als Bäckermeister hatte er sicherlich vielen Menschen Brot bereitet, die damit ihren Hunger stillen konnten. Als treuer Mitarbeiter unseres Apostels hat er den Gotteskindern in den ihm an­vertrauten Gemeinden das Lebensbrot des Himmels gebrochen. Der Wille seines Apostels und damit der Wille des Herrn waren ihm allezeit heiligstes Gebot. Zweiundzwanzig Jahre lang, davon neun Jahre zusätzlich als Vorsteher der Gemeinde Marburg, ist der Bezirksälteste Faust den ihm anvertrauten Brüdern und Geschwistern in Treue und Wahrhaftigkeit als Vorbild und Segensquelle voraufgegangen. Während seiner nimmermüden Seelenarbeit war der Bezirk von 1334 Seelen zu Beginn des Jahres 1952 auf 2508 Seelen am Schluss des Jahres 1974 angewachsen. In der Zeit vom 13. 11. 1966 bis 21. l. 1973 betreute er zusätzlich den Unter­bezirk Siegen als Bezirksvorsteher.
Der Bezirksapostel Rockenfelder hat bei der Ruhesetzung des Bezirksältesten Faust treffend gesagt, was das Leben und Wesen dieses Gottesmannes ausgezeichnet hat. Auszugsweise soll dies hier folgen:

"••• eurem Bezirksältesten habe ich die Worte gewidmet: 'Ich habe viel Freude und Wonne an dir gehabt'. Ich kann mich in den vielen Jahren, in denen wir miteinander marschiert sind, Schulter an Schulter, Hand in Hand, nicht entsinnen, dass auch nur ein Schatten des Missverständnisses oder des Unwillens oder vielleicht gar des Misstrauens bestanden hätte. Das kannten wir beide nicht. Wie wunderbar ist das, wenn eine Arbeitsgemein­schaft zu einem gewissen Ende gekommen ist, und zwei Männer, die sich geliebt haben, von Herzen sagen können: Nie hat ein Schatten zwischen uns gestanden. Wir waren beide von dem einen Willen erfüllt, dem Herrn und seinem Volke zu dienen, mit allen Kräften unserer Seele, mit der ganzen Hingabe des Leibes und mit den Fähigkeiten, die der ewige Gott in den Geist hineingelegt hat. Er hatte außerdem auch noch eine große Begabung für die jenseitige Welt. Er hat vieles aus der jenseitigen Welt wahrgenommen und auch die Gaben in dieser Hinsicht gepflegt ...
So wie sein ganzes Leben war, seine ganze Gemeindepflege, so war auch sein Dienen: einfach und schlicht, aber voller Ehrlichkeit und Treue. Dafür hat der liebe Gott ihm einen Namen gegeben und hat ihn groß unter seinem Volke gemacht; und diesen Namen, den der Herr ihm gegeben hat, der bleibt ihm für Zeit und Ewigkeit. Und ich könnte auch sagen von ihm,
wie damals von Petrus gesagt wurde: 'Er war auch einer mit dem von Nazareth!' Der Älteste Faust war auch mit dem da von Nazareth, dem verachteten Sektierer. Er war mit ihm, wenn er die Kinder taufte, wenn er die Kon­firmanden lehrte, wenn er die Eheleute segnete, wenn er die Kranken besuchte und wenn er Tote begrub; er war mit ihm und ist bei ihm geblieben bis
zur heutigen Stunde. Ihr seht ja aus seinen Worten, dass er keine Ehre für sich in Anspruch nimmt, sondern alle Liebe dem Volke Gottes und alle Ehre dem Allerhöchsten gibt."

Zur Bewältigung der großen Aufgabe im Bezirk, der sich im Jahre 1955 nach einer Umstrukturierung um 6 Gemeinden vergrößerte, erhielt der Bezirksälteste Faust schon in den ersten Jahren neben Hirten und Gemeindeevangelisten vor allem einen Bezirksevangelisten als wertvollen Mitarbeiter.

Über seine Arbeit im Bezirk Siegen

In der Bühne der Stadt Siegen wurde 1966 der Bezirksälteste Donecker durch den Bezirksapostel Rockenfelder in den Ruhestand gesetzt. Als Nachfolger beauftragte Bezirksapostel Rockenfelder den Bezirksältesten Bernhard Faust, der  dem Bezirk Marburg vorstand und die Betreuung des Bezirks Siegen zusätzlich übernahm.
Nun begann wieder ein neuer Zeitabschnitt für den Bezirk. In dem gleichen Gottesdienst, wo der Bezirksälteste Donecker in den Ruhestand trat, wurde der Bezirksälteste Faust aus Marburg mit der Leitung des Bezirkes Siegen beauftragt und ihm der Bezirk anvertraut. Gleichzeitig war aber auch eine Umgliederung des Bezirkes Siegen damit verbunden, denn es wurden die Gemeinden Wetzlar, Aßlar, Steindorf, Wetzlar-Büblingshausen, Gladenbach, Erda, Königsberg, Fellingshausen und Krumbach wieder abgetrennt und mit dem Bezirk Gießen vereinigt. Der Bezirksälteste Faust übernahm folgende Gemeinden als Bezirksvorsteher: Siegen, Hüttental, Eiserfeld, Gerlingen, Kreuztal, Oberheuslingen, Wahlbach, Berleburg, Birkelbach,-Röspe, Herborn, Dillenburg, Sinn, Fischelbach

In dem Bezirksältesten Faust hatte der treue Gott einen Gottesknecht bereitet, der seit vielen Jahren dem Herr~ mit heiliger Gottesfurcht, mit einem felsenfesten Glauben und mit der Hingabe seines ganzen Herzens gedient hatte. Sein Beruf war Bäckermeister, und er hat vielen das natürliche Brot bereitet. Der liebe Gott wollte aber, dass er seinen Kindern das Lebensbrot bereiten sollte und hat ihn erwählt zu einem besonderen Werkzeug in seiner Hand und zu einem wertvollen Mitarbeiter unseres Apostels.
Der Bezirksälteste Faust empfing im November 1936 das Diakonenamt, im November 1939 das Priesteramt und im August 1952 das Gemeindeevangelistenamt. Nachdem ihm im Kasseler Bezirk als Priester schon die verschiedensten Gemeinden als Vorsteher anvertraut waren, übertrug ihm unser Bezirksapostel am 26. Oktober 1952 das Bezirksevangelistenamt und gleichzeitig die Leitung des Bezirkes Marburg. Zwei Jahre später, am 31. Oktober 1954 wurde er zum Bezirksältesten ordiniert.
Der Wille ·unseres Apostels und damit der Wille des Herrn war dem Bezirksältesten Faust immer heiligstes Gebot. Er verlegte seinen Wohnsitz von Kassel nach Treysa und von dort nach Marburg. Mancherlei Entbehrungen waren damit verbunden. Alles das tat er jedoch im Gehorsam des Glaubens, und wir können bezeugen, dass der liebe Gott seine Arbeit reichlich segnete. Als er mit der Leitung des Bezirkes Siegen beauftragt wurde, zählten 26 Gemeinden zu seinem bisherigen Bezirk. Durch die zusätzlichen 13 Gemeinden des Bezirkes Siegen hatte er nunmehr 39 Gemeinden zu betreuen. Es wurde ihm die Arbeit nie zur Last, sondern mit der Freudigkeit des Geistes Christi hat er den vom Apostel empfangenen Auftrag stets ausgeführt. Den Bezirksältesten Faust zeichnet besonders seine Bescheidenheit aus und sein großes Verständnis für alle seine Brüder und Geschwister. Es ist ihm keine Mühe zu groß und kein Opfer zu viel, und sein ganzes Sinnen und Trachten ist darauf abgestellt, den Anvertrauten zu dienen. Mit wahrer Liebe hängt er an unserem Apostel und an unserem Bischof und ist seinen Brüdern ein leuchtendes Vorbild und edler Vorangänger. Seine Gesinnung und seine Herzenseinstellung überträgt er auf den ihm anvertrauten Kreis. Er ist wie ein Sämann, der unermüdlich seine Aussaat macht. Nicht der Schall seiner Worte, sondern der tiefe Inhalt seines Dienens macht die Gotteskinder glücklich, selig und froh. In der Zeit seines Wirkens im Siegener Bezirk hat der Bezirksälteste die Herzen der Brüder und G
otteskinder glücklich, selig und froh.
In der Zeit seines Wirkens im Siegener Bezirk hat der Bezirksälteste die Herzen der Brüder und Geschwister gewonnen. Als unser Apostel ihm den Bezirk Siegen anvertraute, war kurz zuvor der Bezirksevangelist Jeromin und der Evangelist Metschies in den Ruhestand getreten. Kurze Zeit später hatten auch der Gemeindeälteste Müller und der Evangelist Schmidt die Altersgrenze überschritten, sodass unserem Bezirksältesten nur noch der Evangelist Frohnert als höherer Amtsträger zur Verfügung stand. Deshalb gab ihm unser Bezirksapostel den damaligen Hirten und jetzigen Gemeindeältesten Dersch aus Frankenberg zur Seite, der neben den sonstigen Brüdern die Arbeit unseres Bezirks- ältesten in den vergangenen Jahren unterstützte.

10. März 2026
Text: Zentralarchiv
Fotos: Zentralarchiv

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